#145 Ein zweites Neujahr?

Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge meines Deutsch-Podcasts!
Heute sprechen wir über einen besonderen Feiertag, der nicht in allen Kalendern steht, den viele aber feiern: das orthodoxe Neujahr am 14. Januar. Vielleicht habt ihr schon einmal davon gehört oder euch gefragt, warum manche Länder ihr neues Jahr zu einem anderen Zeitpunkt feiern. Heute erkläre ich euch, warum das so ist, wie der Feiertag entstanden ist und welche Traditionen damit verbunden sind – und natürlich bringen wir auch ein paar spannende Wörter und Redewendungen aus dem Deutschen mit.
Das orthodoxe Neujahr, auch Altes Neujahr genannt, wird am 14. Januar gefeiert. Der Grund liegt im Kalender: Während die meisten Länder heute den Gregorianischen Kalender verwenden, halten viele orthodoxe Kirchen den Julianischen Kalender ein. Dieser Kalender wurde schon vor über 2000 Jahren eingeführt und hat einen leichten Fehler in der Berechnung der Schaltjahre. Das führte dazu, dass der 1. Januar im Julianischen Kalender auf den 14. Januar im Gregorianischen Kalender fällt.

Besonders in Ländern wie Russland, Serbien, der Ukraine, Georgien, Griechenland und Nordmazedonien feiern Menschen das orthodoxe Neujahr, oft zusätzlich zum offiziellen Neujahrsfest am 1. Januar. Ursprünglich war es ein religiöser Feiertag, heute ist es in vielen Regionen auch ein kultureller und familiärer Anlass.

Im Laufe der Zeit hat sich das orthodoxe Neujahr von einem reinen Kirchenfest zu einem gesellschaftlichen Ereignis entwickelt. Familien treffen sich, es gibt traditionelle Speisen und Getränke, und besonders in Russland wird das Fest mit Musik, Tanz und Feuerwerk gefeiert – ähnlich wie am 1. Januar, aber oft etwas ruhiger und familiärer.

In vielen Ländern gibt es besondere Bräuche: In Russland beispielsweise schreiben Kinder kleine Wunschzettel, die sie vor die Tür legen, oder es gibt traditionelle Glücksbringer für das neue Jahr. In Serbien bringen Menschen manchmal Weihnachtsbrot oder spezielle Süßigkeiten zum Fest. In Griechenland wird das orthodoxe Neujahr am 14. Januar etwas ruhiger gefeiert als das offizielle Neujahrsfest am 1. Januar. Der Tag ist vor allem familiär und religiös geprägt. Viele Familien treffen sich, um gemeinsam zu essen, außerdem besuchen manche Menschen die Kirche, um für Gesundheit und Wohlstand zu beten, und in kleineren Dörfern werden oft traditionelle Segnungen mit Weihwasser durchgeführt.
Besonders spannend ist, dass viele dieser Bräuche sehr alt sind und teilweise aus vorchristlicher Zeit stammen, kombiniert mit christlicher Tradition.

Wusstet ihr: Weltweit gibt es eine erstaunliche Vielfalt an Neujahrsfesten, denn nicht alle Länder oder Kulturen richten sich nach dem gleichen Kalender wie wir. Das am weitesten verbreitete Neujahr ist natürlich das 1. Januar nach dem Gregorianischen Kalender, der in den meisten Ländern offiziell genutzt wird. In China, Vietnam und Korea richtet sich das Neujahrsfest nach dem Mondkalender, weshalb das Datum jedes Jahr zwischen Ende Januar und Mitte Februar liegt. Auch in Indien gibt es viele regionale Neujahrsfeste wie Diwali (Neujahr in Teilen Indiens) oder den Assam Divas, die auf lokalen Kalendern basieren. Darüber habe ich schon mal eine Podcast Folge gemacht, ihr findet sie im Archiv. In der islamischen Welt beginnt das Jahr nach dem islamischen Mondkalender, was bedeutet, dass sich das Datum des islamischen Neujahrs jedes Jahr verschiebt. Ähnlich gilt für das jüdische Neujahr Rosch Haschana. Manche Kulturen feiern Neujahr sogar im Sommer oder Frühling, wie zum Beispiel das Nowruz, das persische Neujahr zur Frühlings-Tagundnachtgleiche. Insgesamt gibt es also Dutzende verschiedene Neujahrstraditionen weltweit, jede mit eigenen Bräuchen, Speisen und Ritualen, die zeigen, wie vielfältig die menschliche Kultur und unser Umgang mit Zeit und Jahreswechsel ist.
Welche Neujahrsfeste kanntet ihr noch nicht?
Was könnt ihr heute, dem orthodoxen Neujahr, machen?
Auch wenn ihr nicht gläubig oder andersgläubig seid, könnt ihr euren Freunden, die aus diesen Ländern kommen, ein frohes neues Jahr wünschen. Sie werden sich bestimmt freuen! Oder ihr lest einen kleinen Text über die Traditionen eines Landes, das ihr interessant findet? Und wenn ihr einen deutschen Text lest, habt ihr sogar einen doppelten Lerneffekt. Vielen Dank fürs Zuhören, und bis zur nächsten Folge!

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