Das Jahr 2025 hat sich dem Ende zugeneigt, wir befinden uns bereits im neuen Jahr 2026. Es ist eine Zeit, in der man vielleicht reflektiert über die Vergangenheit und mit Sehnsucht und Freude an die Zukunft denkt. Ich möchte euch in diesem Podcast ein bisschen von beidem mitgeben.
Wenn man an nationale Helden denkt, fallen einem oft Krieger oder Widerstandskämpfer ein. Aber manchmal sind es gerade Schriftsteller und Denker, die ein Land verändern. Einer dieser Menschen war José Rizal, der am 30. Dezember auf den Philippinen gefeiert wird. Er gilt als Vater der philippinischen Nation und als Symbol für Freiheit, Bildung und Gerechtigkeit. Heute schauen wir uns an, wer José Rizal war, warum er ein Held ist und welche Bedeutung sein Leben bis heute für die Philippinen hat. Los geht’s!
José Rizal wurde 1861 auf den Philippinen geboren. Schon als Kind zeigte er große Intelligenz und Neugier. Er lernte mehrere Sprachen, studierte Medizin, Literatur und Philosophie und begann, seine Gedanken über Gerechtigkeit, Freiheit und die Rechte seines Volkes aufzuschreiben. Rizal lebte in einer Zeit, in der die Philippinen unter spanischer Kolonialherrschaft standen. Das Leben war für die meisten Menschen hart. Die Kolonialherren kontrollierten Politik, Religion und Bildung, und die Bevölkerung musste hohe Steuern zahlen und viele Vorschriften einhalten. Viele Filipinos hatten kaum Rechte und lebten in Abhängigkeit von spanischen Beamten und Kirchenvertretern. Gleichzeitig war die Gesellschaft stark hierarchisch: Die Spanier und reiche Einwanderer genossen Privilegien, während einfache Bauern und Arbeiter oft unterdrückt wurden. Diese Ungerechtigkeiten führten zu Frustration und Widerstand, und viele Menschen sehnten sich nach Freiheit, Gerechtigkeit und Bildung, genau wie Rizal es in seinen Schriften forderte.
Er kämpfte nicht mit Waffen, sondern mit Worten und Ideen.
Seine beiden berühmtesten Romane sind „Noli Me Tangere“ und „El Filibusterismo“.
„Noli Me Tangere“ ist der erste große Roman von José Rizal, veröffentlicht 1887, und der Titel bedeutet auf Deutsch „Rühr mich nicht an“. Die Geschichte handelt von Juan Crisóstomo Ibarra, einem jungen Mann, der nach dem Studium in Europa in seine Heimat auf den Philippinen zurückkehrt. Schon bald erkennt er, dass sein Land unter Korruption, Ungerechtigkeit und Unterdrückung leidet. Kirchliche Autoritäten, reiche Grundbesitzer und spanische Kolonialbeamte missbrauchen ihre Macht, während einfache Bauern oft ausgebeutet werden. „El Filibusterismo“ ist der zweite große Roman von José Rizal und wurde 1891 veröffentlicht, einige Jahre nach „Noli Me Tangere“. Der Titel bedeutet auf Deutsch „Der Aufstand der Reformer“ oder frei: „Die Rebellion“. Während „Noli Me Tangere“ die Probleme der philippinischen Gesellschaft aufzeigt, geht es in „El Filibusterismo“ noch einen Schritt weiter: Der Roman beschreibt die Folgen von Unterdrückung, Korruption und sozialer Ungerechtigkeit. Die Hauptfigur ist wieder Juan Crisóstomo Ibarra, der jetzt unter dem Namen Simoun zurückkehrt. Ibarra/Simoun hat sich radikal verändert: Er ist enttäuscht von den Möglichkeiten, friedlich zu reformieren, und plant nun eine Revolution, um gegen die Kolonialherren und die korrupte Elite zu kämpfen. Rizal zeigt in diesem Buch, wie Unterdrückung zu Wut, Frustration und radikalen Gedanken führen kann, aber auch, dass Gewalt immer schwierige moralische Fragen aufwirft. „El Filibusterismo“ ist daher nicht nur ein politischer Roman, sondern auch ein moralisches und gesellschaftliches Lehrstück, das die Leser zum Nachdenken über Freiheit, Gerechtigkeit und die Folgen von Ungerechtigkeit anregen soll.
Rizal wollte mit seinen Geschichten die Menschen aufwecken, sie zum Nachdenken bringen und die Probleme der Gesellschaft sichtbar machen – alles ohne Gewalt, sondern durch Worte, Ideen und Geschichten. Sein Engagement blieb den Kolonialherren nicht verborgen. 1896 wurde Rizal verhaftet, angeklagt und zum Tode verurteilt. Die Anklage lautete offiziell auf „Aufruhr, Rebellion und Anstiftung zur Unruhe“. Obwohl Rizal nie zu Gewalt aufgerufen hatte, wurden seine Schriften und Ideen als Bedrohung angesehen. Die spanischen Behörden wollten ein Exempel statuieren: Rizal sollte für alle deutlich machen, dass kritisches Denken und Reformideen gefährlich sein könnten. Am 30. Dezember 1896 wurde er in Manila öffentlich hingerichtet, und sein Tod machte ihn endgültig zu einem nationalen Helden und Symbol für den philippinischen Freiheitskampf. Sein Mut, für seine Überzeugungen einzustehen, machte ihn zu einem Symbol für nationalen Stolz, Bildung und Reform.
Die spanische Kolonialherrschaft auf den Philippinen endete übrigens nur zwei Jahre später und zwar 1898 nach über 300 Jahren Unterdrückung. Der offizielle Anlass war der Spanisch-Amerikanische Krieg, bei dem die USA gegen Spanien kämpften. Im Zuge des Krieges eroberten die Amerikaner die Philippinen, und Spanien musste das Land abtreten.
Heute wird José Rizal auf den Philippinen jedes Jahr am 30. Dezember gefeiert. Schulen, Städte und Organisationen erinnern an sein Leben und Werk. Sein Geburtstag, sein Tod und seine Schriften sind fester Bestandteil des philippinischen Bildungssystems.
Rizal zeigt, dass Veränderung oft durch Wissen und Worte möglich ist. Er inspiriert Menschen, gerecht zu handeln, zu lernen und Verantwortung für ihre Gesellschaft zu übernehmen. José Rizal ist mehr als ein historischer Name – er ist ein Vorbild für Mut, Bildung und Vision. Sein Leben erinnert uns daran, dass Ideen und Werte mächtiger sein können als Gewalt, und dass jeder Einzelne einen Unterschied machen kann, wenn er für Gerechtigkeit einsteht.
Am Ende des Jahres, wenn wir auf 2025 zurückblicken, können wir uns ein Beispiel an José Rizal nehmen: für Mut, Wissen und Engagement, egal wie klein oder groß unsere eigenen Beiträge sind.
